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Das neuartige CoronaVirus hatte uns Anfang 2020, wie die Konkurrenz zwischen den Unternehmen und Nationen dazu führt, dass nicht alle gemeinsam nach Heilverfahren suchen, sondern überall versucht wird, Medizin mit Patenten zu belegen, um der Bevölkerung den Zugriff darauf zu verwehren. Als demokratische Gesellschaft, haben die Aufgabe das Wissen um unsere Gesundheit zu öffentlich zugänglich zu bewahren und vor der Vermarktung zu verteidigen. Patente auf Medizin oder auf medizinische Geräte sind ein Angriff auf die Gesundheit der Menschheit. Das Wissen über Gesundheit zu verheimlichen ist ein Verbrechen.

Medizin ist ein geteiltes Gemeingut und historisches Erbe

Große Fortschritte in der Medizin wurden in der Entstehungsgeschichte der Menschheit im Mittleren Osten und Asien, lange vor dem europäischem Raum, gemacht. Viel von diesem Wissen ist durch den freundschaftlichen, demokratischen Austausch der Völker über die ganze Welt verbreitet worden. Hierzulande wurde manches davon in der Klostermedizin erhalten, gesammelt und weitergegeben.

Während wir im Mittelalter in Mitteleuropa, in den Klöstern noch zahlreiche Frauen fanden, die dieses Wissen pflegten, findet mit deren Verdrängung durch den männlichen Medicus an Universitäten und dem Bader auf den Marktplätzen auch eine Verdrängung der Frauen aus diesem Bereich statt. (Heilen wie der Medicus – Was bleibt von der ärztlichen Kunst des Mittelalters? https://www.swr.de/swr2/wissen/SWR2-Forum-Heilen-wie-der-Medicus-Was-bleibt-von-der-aerztlichen-Kunst-des-Mittelalters,swr2-forum-2019-12-04-100.html).
Im Austausch des Wissens und der Erfahrungen liegt eine große Gabe der Menschheit, die nur durch Gemeinschaft und Freundschaft entfaltet werden kann. Konkurrenz zerstört diese Gabe und stellt ein Angriff auf unsere Gesundheit dar.

Unsere Lebensweise macht uns krank

Wir essen Lebensmittel aus der ganzen Welt im Überfluss, aber trotzdem sind wir geplagt mit Allergien, Unverträglichkeiten, Hautproblemen, Verdauungsproblemen und Krebs. Unser Alltag aus Stress, Druck und Leistung macht uns krank. Unsere Städte aus Lärm, Überangebot, Konsum, Feinstaub, Autos und Beton machen uns krank. Die Einsamkeit in einer vollen Stadt macht uns krank. Die Ausländerfeindlichekeit, die Angst vor der Abschiebung macht uns krank. Immer am Handy beschäftigt, immer erreichbar. Die Folgen sind, dass wir ausgelaugt sind, Depressionen, Tumore, psychosomatische Krankheiten haben. Wir empfinden Sinnlosigkeit, Beliebigkeit, Entfremdung, Einsamkeit und Angst.

Wissen und Körper

Auch dem Wissen um unsere Körper kommt eine große Bedeutung bei. Die Körper von Frauen, Lesben, Inter, Nicht-Binären ist an vielen Stellen aus der Medizin verdrängt worden. Die Kunst der Medizin, die die Männer versucht haben an sich zu reißen, hat deren kultureller und geschlechtlicher Vielfalt schwer geschadet. Auch daher ist vielen Menschen großes Leid angetan worden, wenn ihre Körper als „nicht normal“ galten und sie deswegen falschen Behandlungen unterzogen oder gar vernichtet wurden. Wir haben so etwas bei Umoperationen und Verstümmlungen „falscher“ Geschlechtsteile erfahren müssen, wie bei der Vernichtung von Menschen mit Behinderung. Dazu kommt noch das lange und qualvolle Kapitel der Gewalt gegen Menschen mit vermeintlichen psychiatrischen Erkrankungen, wie wir sie aus der Geschichte der Psychiatrien kennen.

Gesundheit statt Medikamente

Gleichzeitig sind wir mit einem Überangebot an Gesundheitsprodukten konfrontiert. Statt die Ursachen unserer Krankheiten bei uns selbst und in unserer Umgebung zu ändern, wird uns Gesundheit als Ware angeboten. Millionen Dinge, Mittel und Methoden die uns gesund machen sollen können wir kaufen. Meistens für jede Krankheit ein eigenes Mittel. Manchmal auch Mittel für alles auf einmal, aber immer müssen wir uns individuell helfen. Immer, als sei es unsere eigene Schuld, krank geworden zu sein. Aber ist es nicht gerade auch diese individuelle Vereinzelung, diese Einsamkeit, die uns krank macht?

Beziehungen zu Mensch und Umwelt tragen zur Gesundheit bei

Gesundheit kann es nur geben, wenn wir gesunde Beziehungen haben. Gesunde, ehrliche und lebendige Beziehungen zueinander und zur Natur. Wir nehmen uns, fast zwanghaft vor im Wald zu spazieren oder Draußen joggen zu gehen. Zeigt uns das nicht, dass wir in unserem Alltag eigentlich keinen gewöhnlichen Kontakt mehr zur Natur haben. Dagegen müssen wir uns sozusagen „extra“ in die Natur begeben. Wir sollten körperliche Naturerfahrungen wieder zu unserem Alltag machen, statt Sporttherapie. Genauso sollten wir zusammen musizieren, statt Musiktherapie zu machen. Es ist ein Unterschied ständig überall irgendwelche Musik auf den Ohren zu haben oder zusammen mit anderen Menschen selbst bekannte Stücke mit Geschichte zu musizieren. Statt Reittherapie, sollten wir zusammen mit Tieren leben. Genauso sind Haustiere kein Ersatz für freie Tiere in einem intakten Ökosystem. Seit Jahrtausenden haben Menschen Tiere in ihrer Nähe gehabt. In vielen Gegenden ist dies noch der Fall. Diese Tiere können uns Ruhe geben. Sie geben auch dem Tag und dem Jahr einen Rhythmus. Das Beste was wir gegen eine Krankheit tun können, ist schon lange davor in allen Lebensbereichen: gesund zu bleiben.

Nähr-, Wirk- und Heilstoffe richtig aufnehmen

Eine Ökologische Lebensweise kann uns helfen gesund zu bleiben, statt gegen Krankheiten anzukämpfen. Statt Mittel und Medikamente mit Wirkstoffen aus der Natur zu kaufen, können wir diese Wirkstoffe doch viel komplexer Dosiert selbst in der Natur finden und gebrauchen. Die Nähr-, Wirk- und Heilstoffe in den Pflanzen sind viel zahlreicher, vielfältiger und komplexer als ein isolierter einzelner Stoff in einer Tablette. Und mit den viel zahlreicheren Kombinationen verschiedener Wirkstoffe wird unsere Gesundheit viel umfangreicher erhalten. Um die Wirkstoffe aus der Natur zu gebrauchen müssen wir uns intensiv das Wissen darüber erarbeiten. Dabei lernen wir gleichzeitig auch mehr über die Natur und damit mehr über eine ökologische Lebensweise. Die Wirkstoffe, die wir dann in Wild- und Kulturpflanzen finden sind uns nicht mehr fremd. Wir schütten sie nicht einfach in uns hinein, sondern wir nehmen sie zu uns und unser Körper kann verstehen, wofür sie zu gebrauchen sind. Denn unser Körper ist keine Maschine, dem einfach eine Substanz fehlt, die nur wieder aufgefüllt wird. Unser Körper muss auch wissen, wie er Substanzen aufnehmen und ihre Wirkung entfalten kann. Unsere Gesundheit nicht darauf beschränkt sein die richtigen Nährstoffe zu uns zu nehmen. Wir müssen begreifen, wie diese Nährstoffe und damit unsere Gesundheit im Kreislauf aus sauberen Böden, sauberem Wasser, sauberer Luft, Saat, Ernte und Kompost ein Teil der Natur darstellt. Natürlich kann es uns nur gut gehen, wenn es der Natur gut geht.

Wir heilen uns

Es liegt viel Kraft darin uns auf eine Stelle im Körper zu konzentrieren. Wenn unser Magen krumpelt und wir unsere Hand wärmend darauf legen spüren wir eine Beruhigung. Vielleicht schmerzt eine Stelle in unserem Körper manchmal nur, um uns selbst auf sie aufmerksam zu machen. Wie oft ignorieren wir unsere Müdigkeit oder ein Halskratzen, weil wir noch arbeiten, noch etwas leisten müssen. Zum Glück heilen wir uns allzu oft selbst, auch im Schlaf, aber eben nicht immer. Manches braucht unsere volle Aufmerksamkeit. Viele beginnen mit einer solchen Aufmerksamkeit erst, wenn sie zum Beispiel Krebs haben. Letztlich unterstützt ein Medikament eben unsere Selbstheilungskraft. Diese Selbstheilungskraft zu stärken ist unsere Perspektive für ein gesundes Leben. (Wir wissen natürlich, dass viele Krankheiten auch unabhängig von der Lebensweise vererbt werden und dass viele Krankheiten mit hochentwickelter Medzintechnik behandelt werden müssen. Dennoch gibt es eine metaphysische Ebene, die aufgrund von sozialen Bedingungen und Lebensrealitäten, bestimmte Krankheiten in der Gesellschaft begünstigen und verursachen.) Wieviel Schaden richten wir an, weil wir unseren Emotionen nicht ausreichend Zeit und Raum gelassen haben? Manchmal tragen wir Emotionen Jahre lang mit uns, wobei sie unsere Gesundheit belasten können. Um gesund zu bleiben, müssen wir unsere Emotionen fühlen, akzeptieren und auflösen können.

Kranke Gesellschaft, kranke Menschen

Auch für die Gesundheit einer ganze Gesellschaft können unverarbeitete kollektiv erfahrene Emotionen zur Belastung werden.
Unsere Gesundheit kann nicht isoliert betrachtet werden. Eine Stelle im Körper kann Ausdruck des Gesundheitszustands des ganzen Körpers sein. Die Welt um uns, so wie die Gesellschaft um uns, beeinflusst unsere Gesundheit unmittelbar. Als ein Beispiel nehmen wir Rassismus. Dieser wirkt sich unmittelbar auf die (psychische) Gesundheit aus. Wenn ich unter Rassismus leide, dann helfen mir keine Mittel dagegen, die beruhigen mich höchstens. Um dieses Leiden zu beheben muss die Gesellschaft von dieser Krankheit geheilt werden.

Ein Beispiel von Doris Braune vom Feministischen Frauen Gesundheitszentrum in Stuttgart gibt uns einen Hinweis darauf, wie wir Gesellschaft und Gesundheit zusammen denken können. Sie Berichtet von Hebammen in Chiapas, die sich um schwangere Frauen bis zur Geburt kümmern. Dabei mischen sich die Hebammen auch in Familienangelegenheiten ein, um die Frauen zu schützen. Vorallem aber vermitteln sie den Frauen Sicherheit, damit sie Vertrauen in die Welt um sich herum finden können, was eine reibungslose Geburt ermöglicht. Doris Braune: Frauen / Heiler*innen in Mexiko (https://radiocorax.de/frauen-heilerinnen-in-mexiko/)

Armut macht Krank

Das staatliche und private Gesundheitssystem in Deutschland besteht aus drei Teilen. Ein Teil für Menschen mit viel Geld, ein Teil für Menschen mit Geld und ein erbärmlicher Teil für Menschen mit wenig Geld. Menschen mit wenig Geld sind in einem System, das auf Geld basiert, zahlreichen Krankheiten ausgeliefert. Man sieht das zum Beispiel an den Zähnen. Menschen mit viel Geld bekommen pass genaue Keramikfüllungen, die lange halten. Menschen mit Geld bekommen schlechte Füllungen aus Plastik, die bald wieder kaputt gehen, wobei der Zahn dann wieder tiefer gebohrt werden muss. Menschen mit wenig Geld verlieren ihre Zähne und können nichts dagegen tun.

Mit Gesundheit selbst versorgen

Wir dürfen uns nicht von ExpertInnen und ÄrztInnen abhängig machen. Ihr Rat und Unterstützung ist oft gut und richtig. Trotzdem tragen wir selbst Verantwortung für unsere Gesundheit und die unserer Gesellschaft. Wir alle müssen Expert:innen und Ärzt:innen werden. Wie kommen wir darauf diese wichtige Aufgabe nur einigen wenigen zu überlassen? Ein Erste-Hilfe-Kurs ist alles was viele von uns lernen. Gesund zu bleiben und andere Gesund zu halten ist eine tägliche Aufgabe. Jede Familie sorgt täglich für die Gesundheit ihrer Kinder. Bei großen Krankheiten müssen wir oft auf die Hilfe von ÄrztInnen zurückgreifen, oft aber nur weil wir zu wenig Wissen. Vieles könnten wir selbst tun.

Wir müssen uns mit Gesundheit selbstversorgen. Nur für das allerwenigste, nur wenn wir schon zu spät reagiert haben und nur in Notfällen brauchen wir ExpertInnen, Krankenhäuser und Fachärzte. Aber diese Expertise muss ein öffentliches Gut sein und darf nicht nur dem zugutekommen, der Geld hat. Die Gesundheit unserer Gesellschaft zu erhalten, muss wieder eine unserer wertvollsten Aufgaben sein, davon darf keiner ausgeschlossen sein. Manchmal haben sich Menschen viel Zeit genommen, um die Wirkstoffe in der Natur zu lernen. Von ihnen können wir viel lernen. In Europa haben in der Vergangenheit manche Frauen viel Erfahrung mit Gesundheit und der Gesundheit der Frauen gehabt. Manche sind für ihr Wissen verfolgt worden. Manchmal wurden sie Hexen genannt. Wir werden ihre Geschichten wieder entdecken. Wir wollen ihr Erbe antreten.